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»SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015/2025«
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730 Zeichnungen zu Radionachrichten




»Vergißmeinnicht«

Düsterer Wirklichkeit dunkler Strich. Doch wagt gegenwärtig niemand zu
behaupten, die Fahrt durch das Gruselkabinett ende in der nächsten Kurve.
Drehen wir also noch eine Gratisrunde, während das Radio leise, leise seine
Leier weiterspielt, so dass selbst der letzte Fetzen Zuversicht zerbirst.
Im Flug noch durchbohren ihre Splitter den Rest dieses Etwas, was wir einst
Glaubeliebehoffnung nannten. Toll vor Schmerz und dumpfer Starrheit schauen
wir Ihnen nach und vergessen dabei in vollem Bewusstsein immer wieder
aufs Neue. Niemand soll behaupten, sie hätten uns nicht gewarnt.



Text: Sahra Merten für Strapazin (2014)

»Soweit die Meldungen 2015 / 2025«

Einzelformat: 105 x 148 mm
Werkblock je Serie: 300 x 500 cm / 365 Zeichnungen
Bleistift, Tusche, Aquarell, Ölkreide auf Papier




SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015 / 2025
Gegenüberstellung Einzel (Auswahl)



SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015 / 2025
Gegenüberstellung Gruppe (Auswahl)




Skizzenbücher (Auswahl)

Bleistift, Tusche, Acryl, Aquarell und Buntstift auf Papier
Soweit die Meldungen 2015/2025
Format: 148 x 210 mm



Klartextbilder (Auswahl)

Tuschezeichnungen auf Papier
Format: 297 x 420 mm
Soweit die Meldungen 2015




SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015 / 2025
Lithografie (Taborpresse Berlin)


»Pegasus«
3 Farbige Lithografie auf 250 g/m Zerkall Büten Papier
Format 380 x 530 mm
Auflage: 30 Stk


SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015 / 2025
Originalzeichnungen (Folgeserie)


»Selbstgespräche«
Bleistift, Ölpastell, Buntstift auf Papier
Format 200 x 250 cm
Serie von 35 Originalzeichnungen




SOWEIT DIE MELDUNGEN 2015
Ansichten Ausstellung, Kunstverein Wolfsburg 2016



 
Artist / Statement

Einleitung
In meiner zeichnerischen Arbeit interessiert mich, wie sich gesellschaftliche Krisen in die alltägliche Wahrnehmung einschreibenund wie Zeichnung flüchtige Meldungen in körperlich-zeitliche Spuren verwandeln kann. Meine Arbeiten entstehennicht autonom, sondern in direktem Anschluss an alltägliche, dingliche und informativePhänomene – etwa Radionachrichten. In Soweit die Meldungen 2015/2025 zeichnete ich jeweils ein Jahr langtäglich live 20 Minuten während des Hörens, ohne Ausnahme und ohne Nacharbeit. So entstanden 730Zeichnungen im Abstand von zehn Jahren – ein Nachrichtentagebuch großer Krisen (Ukraine-Krim-Konflikt, Anschlag auf Charlie Hebdo), von Rechtspopulismus, dem Leid der Geflüchteten, globalen Machtinszenierungen, Absurdem und Ungerechtigkeiten.

Projekt
2015 begann für mich eine Phase intensiver Praxis. Das tägliche Zeichnen wurde zum Balanceakt: Hilflosigkeit gegenüber dem Weltgeschehen aushalten, bearbeiten, ertragen. Nach der ersten Serie fehlten mir Abstand. und Mittel; der Versuch einer zweiten Serie scheiterte zweimal, bis ich 2025 die nötige Konsequenz wiederfand. Mit diesem zeitlichen Abstand entstanden zwei Werkblöcke, die den Nachrichtenstrom von Hörfunk in sichtbare Spuren transformieren. Meine Praxis lebt vom Prozess: Die Zeichnung befragt sich selbst, setzt einen inneren Dialog in Gang, lotet Material, Format, Wiederholung und Regelbruch aus. Im schnellen Reagieren auf Nachrichteninhalte und -stimmungen wird sie zum Seismografen für Ungeheuerliches, Absurdes und Widersprüchliches, das wir oft mit Gleichgültigkeit oder Hilflosigkeit quittieren. Versammelt erzeugen die  Blätter ein visuelles Grundgeräusch; einzeln zeigen sie einen kritischen, teils humorvollen Umgang mit Nachrichtensprache.

Vorhaben
Aktuell richte ich den Fokus auf die Auswertung und Kuration der 730 Zeichnungen. Im Zentrum stehen eine systematische Sichtung und ein strukturierter Vergleich von 2015 und 2025: Welche thematischen Cluster und Konstanten treten auf (wiederkehrender Rechtspopulismus, Krisenerzählungen, Flucht 2015 – Migrationsdebatten 2025, Syrien 2015 – Ukraine 2025)? Hinzu kommt Archivarbeit mit Zeitungsausschnitten, Nachrichtenprotokollen, dem Nachhören einzelner Sendungen sowie dem Ausarbeiten ausgewählter Meldungen in Textform. Parallel entwickle ich eine analytische Perspektive und Reflexionstexte, die in eine Publikation einfließen sollen. In Zusammenarbeit mit dem Buchgestalter Christian Rothe (Preis der Stiftung Buchkunst für »Buchenwald«) entsteht ein Buch mit chronologischen und thematischen Gegenüberstellungen; eine Strecke im ZEIT Magazin Ende 2026 sowie eine Einzelausstellung in der Galerie Zaglmaier Halle (Juli 2026) markieren weitere Stationen dieses Projekts.


VIEW SELECTED WORK

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